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Die Europäer ändern ihre Reisegewohnheiten: weniger Hektik, mehr Zeit und immer mehr Alleinreisende.

Die Europäer ändern ihre Reisegewohnheiten: weniger Hektik, mehr Zeit und immer mehr Alleinreisende.

DERTOURs Neue Forschungsergebnisse Dies zeigt, dass „Slow Travel“, „Digital Detox“ und Alleinreisen sich aus ihren engen Marktnischen herausbewegen. Hinter diesem Wandel steht nicht nur die Suche nach neuen Erfahrungen, sondern auch der Wunsch nach weniger Stress, mehr Freiheit und einer anderen Einstellung zur Urlaubszeit.

Tourismusbranche Jahrelang vermittelte sie Reisenden die Vorstellung, dass sie auf einer einzigen Reise so viel wie möglich sehen sollten: mehr Städte, mehr Ausflüge, mehr Sehenswürdigkeiten und ein vollgepacktes Programm. Es scheint, als würde sich ein Teil des europäischen Marktes nun in die entgegengesetzte Richtung bewegen.

Der dritte Teil des „European Travel Trend Report“ der DERTOUR-Gruppe für das Jahr 2026 zeigt, dass 53,21 % der Befragten Interesse an „Slow Travel“ haben. Noch interessanter ist der Grund dafür: Von den Reisenden, die sich zu dieser Art des Reisens hingezogen fühlen, wünschen sich 58,5 % einfach genügend Zeit für ihr Reiseziel, ohne sich gehetzt zu fühlen. Für 52 % sind persönliches Wohlbefinden und Stressabbau die Motivation.

Mit anderen Worten: Hier langsamer zu reisen, hat nicht in erster Linie etwas mit Verkehr oder Nachhaltigkeit zu tun. Es ist vor allem eine Reaktion auf überfüllte Terminkalender und das Bedürfnis, dass sich ein Urlaub wieder wie ein Urlaub anfühlt.

Weniger Attraktionen bedeuten nicht zwangsläufig geringere Ausgaben.

Diese Veränderung wirft für Hotels, DMCs und Reiseveranstalter eine interessante Frage auf. Wenn ein Gast nicht mehr sieben Aktivitäten in drei Tagen wünscht, bedeutet das nicht, dass er ein Produkt von geringerer Qualität möchte. Im Gegenteil: Der Fokus kann sich auf einen längeren Aufenthalt, lokale Küche, kleinere Gruppen, Natur, Wellness, gemächlichere Touren und Aktivitäten verlagern, die keine strenge stundenweise Planung erfordern.

Laut DERTOUR genießen 63,61 % der Befragten, die sich zum „Slow Travel“ bekennen, eine entspanntere Art des Reisens, während 58,31 % lieber einige wenige Erlebnisse wählen, an die sie sich erinnern werden, als eine große Anzahl von Aktivitäten. Mehr als die Hälfte, nämlich 55,41 %, wünscht sich mehr Zeit, um die lokale Kultur, die Natur und die Menschen kennenzulernen.

Dieser Trend wirkt sich bereits aus und geht weiter Produktentwicklung innerhalb der DERTOUR-Gruppe selbst. Beispiele hierfür sind die flexibleren „Go with the Flow“-Programme von Meiers Weltreisen, das „Slow Glamour“-Konzept der Hotelmarke ananea sowie die „Blue Cruises“ von I.D. Riva Tours entlang der kroatischen Küste.

Für die heimische Tourismusbranche ist gerade dieses Detail besonders interessant. Das Angebot Kroatiens umfasst bereits Elemente, die gut zum „Slow Travel“ passen – Inseln, kleinere Städte, Bootsausflüge, Gastronomie und die Möglichkeit, verschiedene lokale Erlebnisse zu kombinieren, ohne ständig den Ort zu wechseln. Eine größere Herausforderung wird es sein, dieses Angebot zu einem Anreiz für einen längeren Aufenthalt zu machen, insbesondere außerhalb der Monate Juli und August.

Auch im Tourismus hält JOMO – statt FOMO – Einzug.

DERTOUR verwendet in seinem Bericht auch den Begriff JOMO, was für „Joy of Missing Out“ steht. Er ist fast das genaue Gegenteil des bekannteren FOMO.

Ein solcher Gast hat kein Problem damit, nicht jede Sehenswürdigkeit auf der Liste gesehen zu haben. Er lässt lieber einen Teil des Tages ungeplant, verbringt mehr Zeit an einem Ort oder verzichtet bewusst auf einen weiteren Ausflug.

Auch das Thema „Digital Detox“ spielt dabei eine Rolle. Fast die Hälfte der Befragten, nämlich 48,91 %, sieht einen Urlaub als Gelegenheit, sich von sozialen Medien und digitalen Ablenkungen zu distanzieren. Bei Reisenden im Alter von 25 bis 44 Jahren liegt dieser Anteil bei über 50 %.

Für Hoteliers Eine digitale Auszeit sollte nicht als das Abschalten des WLANs verstanden werden. Der Gast erwartet nach wie vor eine gute technische Ausstattung, wenn er sie benötigt. Der Unterschied besteht darin, dass das Angebot so gestaltet werden kann, dass es den Gästen einen Grund bietet, den Bildschirm beiseite zu legen – durch Natur, Gastronomie, Wellness, Aktivitäten und Räumlichkeiten, die dazu einladen, Zeit ohne ständige digitale Reize zu verbringen.

Alleinreisen sind längst nicht mehr nur etwas für Singles.

Ein noch wichtigeres Signal für die Branche kommt aus dem Segment der Alleinreisenden. Fast 30% der befragten Europäer halten es für wahrscheinlich, dass sie in den nächsten 12 Monaten alleine verreisen werden.

In diesem Zusammenhang bedeutet „Solo“ nicht unbedingt „alleinstehend“. Eine solche Reise ziehen 37,61 Prozent der Singles in Betracht, aber auch etwa ein Viertel der Menschen, die in einer Beziehung leben, verheiratet sind oder in einer eingetragenen Lebenspartnerschaft leben.

Deutschland zeigt das größte Interesse: 36,11 % der Befragten ziehen eine Alleinreise in Betracht. Es folgen Schweden mit 35 %, Frankreich mit 32,21 %, das Vereinigte Königreich mit 29,81 % und Polen mit 28,91 %.

Die Buchungsdaten zeigen zudem, warum dieses Segment für Reiseziele von Interesse sein sollte. Auf den europäischen Märkten von DERTOUR bleiben Alleinreisende durchschnittlich 10,4 Tage, verglichen mit einem Gesamtdurchschnitt von 8,9 Tagen. Bis zu 65 % ihrer Reisen finden außerhalb des Zeitraums von Juni bis August statt, verglichen mit 56 % bei allen Reisenden.

Dies macht Alleinreisende besonders attraktiv für Reiseziele, die ihre Saison verlängern möchten.

Das Problem ist, dass ein Großteil des Hotelangebots nach wie vor auf zwei Personen ausgelegt ist.

Die bei potenziellen Alleinreisenden beliebteste Unterkunft ist sehr praktisch: 38,41 % wünschen sich Hotelzimmer und Angebote, die auf eine Person zugeschnitten sind.

Dies ist nach wie vor eine Schwachstelle für einen Großteil des Marktes. Der Alleinreisende zahlt oft den Preis für ein Produkt, das für zwei Personen konzipiert ist, insbesondere in klassischen Freizeit-Hotels und bei Pauschalangeboten.

Gleichzeitig wünschen sich 27,91 % die Möglichkeit, Kontakte zu Gleichgesinnten zu knüpfen oder gemeinsam mit ihnen zu reisen, 26,91 % suchen nach personalisierten und sorgfältig zusammengestellten Erlebnissen, und ein Viertel möchte im Falle von Problemen einen klar benannten Ansprechpartner haben.

Ein Alleinreisender sucht also nicht unbedingt die Einsamkeit. Er sucht die Freiheit, eigene Entscheidungen zu treffen, möchte aber gleichzeitig die Möglichkeit haben, Gesellschaft und Unterstützung zu finden, wenn er dies wünscht.

Dies bestätigt auch Jules Verne, der britische Spezialist von DERTOUR. Bereits jetzt stammen 511 TP3T-Buchungen für seine Kleingruppenreisen im Jahr 2027 von Alleinreisenden, verglichen mit 481 TP3T für die Programme des Jahres 2026.

Die deutschen Buchungsdaten zeigen ein noch interessanteres Profil.

Eine spezielle Auswertung der Buchungen für den Winter 2025/26 von DERTOUR, ITS, Meiers Weltreisen und Travelix Last Minute zeigt, dass 18% aller Reisen Alleinreisen waren.

Diese Gäste waren durchschnittlich 13,5 Tage unterwegs, vier Tage länger als Gäste, die in Gruppen reisten. Sie buchten im Durchschnitt 74 Tage vor Reiseantritt, während der Durchschnitt aller Reisenden bei 107 Tagen lag.

Sie suchen nicht unbedingt Luxus im herkömmlichen Sinne. Nicht weniger als 531 TP3T buchten Vier-Sterne-Hotels, und 271 TP3T entschieden sich für Fünf-Sterne-Hotels. Die Hälfte entschied sich für All-inclusive-Angebote, was leicht über dem Durchschnitt der übrigen Gäste liegt.

Dies lässt ein interessantes Muster erkennen: Alleinreisende legen möglicherweise etwas weniger Wert auf die höchste Hotelkategorie, dafür aber umso mehr auf Zeit, Komfort und Bequemlichkeit. Bei jüngeren Alleinreisenden bis zum Alter von 49 Jahren lagen die durchschnittlichen Ausgaben pro Nacht sogar um 111 % höher als bei ihren Altersgenossen, die in Gruppen reisten.

Für die Branche verbirgt sich hinter beliebten Schlagworten wie „Slow Travel“, „JOMO“ oder „Digital Detox“ ein ganz konkreter Wandel. Gäste wünschen sich weniger Verpflichtungen, dafür aber mehr Kontrolle über ihre eigene Zeit. Sie möchten länger bleiben, ihre Pläne leichter ändern und ein Angebot erhalten, das nicht automatisch auf das traditionelle Paar oder die Familie zugeschnitten ist.

Für Hotels und Reiseveranstalter liegt die Chance möglicherweise nicht darin, eine weitere spezielle „Trend“-Kategorie zu schaffen. Eine größere Chance besteht vielmehr darin, das zu beseitigen, was den Reisenden stört: überladene Reiseprogramme, hohe Einzelzimmerzuschläge, unflexible Pauschalangebote und ein saisonales Angebot, das praktisch schon Ende August ausläuft.

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Stipan Spaija

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Stipan Spaija – Gründer und Herausgeber von Tragento.com

Stipan Spaija ist Gründer und Herausgeber von Tragent, einem B2B-Portal für Fachleute aus der Tourismusbranche. Er verfügt über mehr als 25 Jahre Erfahrung im Tourismus, mit den Schwerpunkten Luftfahrtbranche, Reisetechnologie und Vertrieb.