
Sicherheit und Geopolitik bestimmen die Entscheidungen deutscher Touristen.
Der deutsche Auslandsreisemarkt, der traditionelle Motor des europäischen Tourismus, weist in diesem Jahr tiefgreifende Verhaltensänderungen auf. Laut Eine neue Studie der App „Polarsteps“ und von Dynata, Geopolitische Instabilität und das Sicherheitsempfinden sind zu den wichtigsten Faktoren geworden, anhand derer deutsche Touristen ihren Jahresurlaub planen, was sich unmittelbar auf die Umverteilung der Reiseströme innerhalb und außerhalb Europas auswirkt.
Der Fokus liegt auf dem europäischen Norden und Süden, Österreich im Niedergang
Während in den vergangenen Jahren Entscheidungen vor allem auf der Grundlage von Preis und klimatischen Vorlieben getroffen wurden, steht für mehr als die Hälfte der deutschen Reisenden mittlerweile die politische Stabilität des Reiseziels ganz oben auf der Prioritätenliste. Ganze 43 Prozent der Befragten geben zu, dass sie aufgrund der weltweiten Unruhen ihre Pläne bereits geändert, Buchungen storniert oder ihr Budget auf Reiseziele umgeschichtet haben, die sie als “sichere Zufluchtsorte” betrachten.
Das Ergebnis davon ist eine extreme Konzentration auf Europäischer Kontinent – Neun der zehn beliebtesten Sommerreiseziele der Deutschen liegen in diesem Jahr in Europa. Traditionelle Favoriten wie Italien und Frankreich behalten ihre Spitzenplätze, doch die eigentlichen Gewinner dieser Entwicklung sind die skandinavischen Länder. Norwegen, Schweden und Dänemark verzeichnen einen deutlichen Anstieg der Nachfrage, da sie vom Markt als stabile und friedliche Oasen wahrgenommen werden. Interessant ist hingegen der Rückgang der Beliebtheit Österreichs, das vom dritten auf den siebten Platz abgerutscht ist. Dies deutet darauf hin, dass sich ein Teil der Sommernachfrage aus dem Alpenraum weiter nach Norden verlagert hat.
Ein deutlicher Rückgang des Interesses in den Vereinigten Staaten von Amerika
Die größte Überraschung im Langstreckensegment betrifft den Transatlantikverkehr. Das politische Klima in den Vereinigten Staaten hat bei deutschen Reisenden zu erheblichen Vorbehalten geführt: Ganze 65 Prozent der Befragten gaben an, dass sie in naher Zukunft überhaupt nicht in die USA reisen wollen. Dieser Prozentsatz liegt deutlich über dem von Reisenden aus Großbritannien und Frankreich, was darauf hindeutet, dass der deutsche Markt derzeit am empfindlichsten auf die politische Lage jenseits des Atlantiks reagiert.
Diese Abkehr von den USA hat Raum für andere interkontinentale Reiseziele geschaffen. Reisende, die sich weiterhin Langstreckenreisen wünschen, aber ein größeres Gefühl der Sicherheit suchen, entscheiden sich überwiegend für Kanada, Australien und Japan. Auf dem asiatischen Markt wächst zudem das Interesse an Reisezielen wie Sri Lanka, Malaysia und Singapur, die als stabile Alternativen davon profitieren.
Die Budgets sind stabil, doch das Vertrauen in die Technologie nimmt ab.
Trotz des Inflationsdrucks lässt die Reiselust in Deutschland nicht nach. Die Hälfte der Befragten plant, genauso viel auszugeben wie im Vorjahr, während 39 Prozent beabsichtigen, ihr Urlaubsbudget zu erhöhen. Die Tourismusbranche muss daher keinen Rückgang der Gesamtausgaben befürchten, sondern sich an die neue geografische Verteilung der Gäste anpassen.
Für Reisebüros und Reiseveranstalter kEs ist bezeichnend, dass deutsche Reisende auch am skeptischsten gegenüber dem Einsatz künstlicher Intelligenz bei der Reiseplanung sind – Zwei Drittel von ihnen lehnen es ab, die Organisation dieser Aufgabe Algorithmen zu überlassen, was eine enorme Chance für einen personalisierten Service durch Reisebüros und den menschlichen Kontakt eröffnet – gerade in einer Zeit, in der Kunden vor allem Sicherheit und verifizierte Informationen suchen.