
Züge und Reiseziele in Mittel- und Osteuropa stehen im Sommer 2026 im Fokus.
Neue Daten von ETC und Eurail zeigen, dass Reisende aus dem Ausland aufgrund der hohen Kosten ihre Aufenthalte verkürzen und ihre Einkaufsbudgets kürzen. Gleichzeitig wächst das Interesse an Mittel- und Osteuropa sowie an Bahnreisen sichtbar.
Die weltweite Nachfrage nach Auslandsreisen hat sich in diesem Sommer leicht abgekühlt, was sich unmittelbar widerspiegelt in Europäische Tourismusbranche. Nach den neuesten Angaben Barometer für Fernreisen, der gemeinsam von der European Travel Commission (ETC) und Eurail veröffentlicht wurde, ist die Absicht, Europa zu besuchen, im Vergleich zum Vorjahr um drei Prozentpunkte gesunken und liegt nun bei 36%. Für inländische Reisebüros, Hoteliers und Destinationsmanager ist dies kein Grund zur Beunruhigung. Vielmehr ist es ein klares Signal, das Angebot anzupassen. Tatsächlich kehren Gäste aus Übersee Europa nicht den Rücken zu, sondern achten deutlich stärker auf ihr Budget. Sie suchen zudem ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis und entscheiden sich zunehmend für Reiseziele außerhalb der traditionellen westeuropäischen „Big Five“.
Die Bahn und eine intelligentere Haushaltsführung gestalten die Reiserouten neu.
Das Ausgabeverhalten ausländischer Gäste unterliegt derzeit einem tiefgreifenden Wandel, der sich unmittelbar auf Reiseveranstalter und Reise-Tech-Unternehmen auswirkt. Zwar planen die meisten Reisenden nach wie vor einen Aufenthalt von ein bis zwei Wochen, doch gibt es einen wachsenden Anteil an Reisenden, die ein bescheideneres Tagesbudget von 50 bis 100 Euro pro Person anstreben. Um die hohen Anreisekosten auszugleichen, sparen Besucher bewusst bei den Ausgaben für Unterkunft und traditionelles Shopping. Die Gastronomie hat hingegen nach wie vor absolute Priorität: Zwei Drittel der Befragten planen Ausgaben für Essen und Trinken ein. Gleichzeitig wächst parallel dazu das Interesse an Wellness-Angeboten.
Ein weiterer wichtiger Trend, der die Art und Weise, wie sich Touristen auf dem Kontinent fortbewegen, neu definiert, ist der rasante Anstieg der Beliebtheit von Bahnreisen. Bis zu drei Viertel der Besucher aus weit entfernten Märkten planen, auf einer einzigen Reise mehrere Länder zu besuchen – im Durchschnitt vier. Obwohl Billigflüge nach wie vor die gängigste Wahl für grenzüberschreitende Reisen sind, ist die Nachfrage nach Bahnpässen und Punkt-zu-Punkt-Fahrkarten auf über 40% gestiegen. Qualitativ hochwertige und bequeme Zugverbindungen bestimmen mittlerweile bei fast einem Viertel der Reisenden aus dem Ausland direkt die Wahl des Reiseziels. Dies eröffnet ein enormes Potenzial für die Integration von Bahnfahrkarten in Pauschalangebote von Reisebüros.
Eine Verlagerung nach Osten und die Stabilität der asiatischen Märkte
Zwar führen Frankreich, Italien, Deutschland, das Vereinigte Königreich und Spanien erwartungsgemäß die Liste der beliebtesten Reiseziele an, doch verlagert sich das Interesse der Reisenden zusehends in Richtung Mittel- und Osteuropa. Länder wie Kroatien, Polen, die Slowakei und Bulgarien verzeichnen im Vergleich zum Vorjahr einen deutlichen Anstieg ihrer Beliebtheit. Der Hauptgrund für diesen Trend ist die Suche nach authentischen Erlebnissen, die ein besseres Preis-Leistungs-Verhältnis bieten. Dies ist eine hervorragende Gelegenheit für lokale DMCs, sich mit Programmen zu positionieren, die überfüllte westliche Metropolen meiden.
Betrachtet man die geografische Segmentierung, Die Märkte senden gemischte Signale aus. China bleibt der stärkste Wachstumsmotor: 63% Bürger planen, diesen Sommer nach Europa zu reisen, gefolgt von einem stabilen Brasilien. Demgegenüber verzeichnen traditionell starke Märkte wie die Vereinigten Staaten und Südkorea bereits das dritte Jahr in Folge einen Rückgang. Ihr Anteil ist auf 28% gesunken, während Australien den stärksten Rückgang des Interesses verzeichnet hat.
Sicherheit als wichtige Währung in Zeiten der Unsicherheit
Hohe Reisekosten sind nach wie vor das größte Hindernis für diejenigen, die Europa in dieser Saison meiden, doch geopolitische Bedenken wie die Spannungen im Nahen Osten und der Krieg in der Ukraine spielen eine immer größere Rolle. Durch Luftraumsperrungen haben sich die Flugzeiten verlängert und die Ticketpreise sind gestiegen. Dies spüren Reisende aus Australien und Japan am stärksten.
Trotz dieser Herausforderungen, Europa gilt nach wie vor als die sicherste Region der Welt. Nicht weniger als 441 Millionen Fernreisende nennen Sicherheit als wichtigstes Kriterium bei der Wahl eines Reiseziels und stellen sie damit noch vor bekannte Sehenswürdigkeiten und eine gut ausgebaute Infrastruktur. ETC-Präsident Miguel Sanz kommt zu dem Schluss, dass diese Situation eine ideale Gelegenheit für Europa darstellt, die Besucherströme weiter zu diversifizieren. Darüber hinaus kann Europa seine interne Anbindung stärken und Lösungen anbieten, die auf die neuen, selektiveren Erwartungen globaler Reisender zugeschnitten sind.