
Lufthansa testet 24-Stunden-NDC-Preisgestaltung für Geschäftsreisen
Ab dem 1. Oktober testet die Lufthansa Group ein Modell, das ein sehr praktisches Problem bei NDC-Buchungen für Firmenkunden lösen könnte: Was passiert mit dem Preis, während die Buchung auf die interne Genehmigung wartet? Ein akzeptabler Tarif kann 24 Stunden lang reserviert werden, vorausgesetzt, die Buchung enthält einen gültigen Corporate Location Identifier (CLID).
Das Prinzip ist einfach: Der Passagier oder das Reisebüro findet über das NDC einen passenden Flug und einen passenden Tarif, und Lufthansa reserviert diesen dann für die nächsten 24 Stunden. So hat das Unternehmen Zeit, die Reise zu genehmigen, ohne nach einigen Stunden erneut prüfen zu müssen, ob derselbe Tarif noch verfügbar ist. Das Pilotprojekt läuft bis zum 18. Januar 2027.
Das Problem ist nicht die Geschwindigkeit von NDC, sondern die Geschwindigkeit des Unternehmens.
Genau an dieser Stelle wirft die Lufthansa eine Frage auf, die noch interessanter ist als die Preisgarantie selbst.
NDC ermöglicht es Fluggesellschaften, Angebote und Preise dynamischer und nahezu in Echtzeit zu gestalten. Lufthansa beispielsweise bietet über ihr NDC bereits „Continuous Pricing“, an die CLID gekoppelte Firmenkundentarife sowie zusätzliche Produkte und Dienstleistungen an.
Der Einkauf in Unternehmen funktioniert jedoch nicht in Echtzeit.
Ein um 9 Uhr morgens gefundenes Angebot muss unter Umständen mehrere Stunden auf die Bestätigung durch einen Vorgesetzten, einen Budgetverantwortlichen oder einen Reisemanager warten. Bis die Genehmigung vorliegt, ist das Angebot, das der Reisende ursprünglich gesehen hat, möglicherweise nicht mehr verfügbar.
Durch die herkömmlichen Vertriebs- und Tarifprozesse war diese Zeitverzögerung oft weniger deutlich zu erkennen. Mit der Umstellung auf dynamischere NDC-Angebote ist die Kluft zwischen der Geschwindigkeit des Fluglinienvertriebs und dem Tempo des unternehmensinternen Genehmigungsprozesses deutlich sichtbarer geworden. Lufthansa ist nun bestrebt, genau diese Lücke zu schließen.
Das Pilotprojekt wird zeigen, ob dies ein echtes Hindernis für den NDC darstellt.
Das Programm gilt nicht für alle Buchungen. Ausgenommen sind „Economy Basic“-Tarife auf europäischen Strecken, Flüge von und nach Japan sowie Reisen mit Abflugort in China. Lufthansa weist zudem darauf hin, dass Firmenkunden prüfen sollten, ob das NDC bei ihrer Agentur oder ihrem Technologiepartner tatsächlich aktiviert und betriebsbereit ist, da eine technische Anbindung allein noch nicht bedeutet, dass alle Funktionen verfügbar sind.
Das Unternehmen bezeichnet dies derzeit eher als Pilotprojekt denn als festes Produkt. Während der Testphase wird es die Nutzung, die wirtschaftliche Leistung und das Feedback der Partner beobachten, bevor es entscheidet, ob das Modell fortgeführt oder ausgeweitet werden soll.
Deshalb interessieren sich die TMCs für das Ergebnis des Experiments.
Sollte die 24-Stunden-Tarifgarantie zu einer höheren Zahl von Firmenbuchungen über NDC führen, wäre dies ein gutes Zeichen dafür, dass die zögerliche Einführung von NDC zumindest teilweise auf die Gestaltung des Buchungsprozesses zurückzuführen war und nicht auf einen grundsätzlichen Widerstand des Firmenkundensektors gegen das neue Vertriebsmodell.
Sollte sich das Kundenverhalten nicht wesentlich ändern, ist das Problem wahrscheinlich weitaus verbreiteter. In diesem Fall lässt sich die Kluft zwischen dem Echtzeit-Vertrieb der Fluggesellschaften und der Art und Weise, wie große Unternehmen Reisen genehmigen und buchen, nicht einfach dadurch beheben, dass man eine längere Frist für die Preisbestätigung einräumt.