
Betrug mit gefälschten Unterkunftsangeboten! „Which?“ hat ein extremes Experiment durchgeführt.
Forschern der Organisation „Which?“ gelang es, auf Booking.com ein gefälschtes Unterkunftsangebot unter der Adresse des britischen Premierministers einzustellen, eine Zahlung zu erhalten und eine erfundene Bewertung zu veröffentlichen. Der Test wirft heikle Fragen darüber auf, wie wirksam die automatisierten Prüfungen großer OTA-Plattformen tatsächlich sind, wenn es darum geht, zu verhindern, dass gefälschte Unterkunftsangebote die Nutzer erreichen.
Eine gefälschte Wohnung in der Downing Street 10, einer der berühmtesten und am besten bewachten Adressen im Vereinigten Königreich, schaffte es, durch das System von Booking.com zu schlüpfen. Forscher der Verbraucherorganisation “Which?” schalteten am 18. Juni eine Anzeige für eine „Ein-Zimmer-Wohnung im Herzen Londons“ und verwendeten dabei die tatsächliche Adresse und ein Foto der Residenz des britischen Premierministers.
Obwohl es sich eindeutig um eine unzumutbare Touristenunterkunft handelte, nahm die Plattform das Inserat an, und in der kurzen Zeit, in der die Buchung möglich war, erkundigten sich bis zu 14 Nutzer nach einer Übernachtung. „Which?“ nahm daraufhin von einem anderen Konto aus eine Testbuchung für eine Woche vor, und Booking.com wickelte die Zahlung ab.
Das Problem war mit der gefälschten Anzeige noch nicht vorbei.
Der Test wirkte sich auch auf andere Teile des Systems aus. Die Forscher veröffentlichten eine gefälschte Bewertung mit einer Note von 10/10, die fast unmittelbar nach der Meldung erschien, dass Moderatoren diese überprüfen würden. Über das Nachrichtensystem von Booking.com versendeten sie zudem einen externen Link, über den Kreditkartendaten abgefragt wurden. Laut „Which?“ wurde auch dieser Versuch nicht automatisch blockiert.
Booking.com weist die Schlussfolgerung zurück, dass der Test ein typisches Erlebnis auf der Plattform widerspiegelt. Das Unternehmen erklärt, dass es eine Kombination aus Kontrollen, Verifizierungsverfahren und künstlicher Intelligenz einsetzt und die meisten gefälschten Einträge innerhalb von 24 Stunden entfernt. Außerdem wird geltend gemacht, dass einige automatisierte Mechanismen nicht ausgelöst wurden, da die Unterkunft während des größten Teils des Zeitraums nicht für Buchungen geöffnet war.
Vertrauen entwickelt sich zu einem betrieblichen Problem für OTA-Plattformen
Für die Tourismusbranche ist der Fall wichtiger als das ungewöhnliche Experiment selbst. Booking.com rät den Nutzern, bei neuen Unterkünften, externen Links und Zahlungsaufforderungen außerhalb des festgelegten Prozesses Vorsicht walten zu lassen, betont jedoch gleichzeitig, dass durch die eigenen Prüfungen die meisten gefälschten Unterkünfte abgefangen werden, bevor sie Reisende beeinträchtigen können.
Genau deshalb ist Downing Street ein interessanter Testfall: Wenn ein automatisiertes System die Adresse des britischen Premierministers nicht erkennt, stellt sich die Frage, wie leicht es eine überzeugendere gefälschte Adresse in Dubrovnik, Split, Belgrad oder Tirana identifizieren kann. Wir glauben, dass die für die Sicherheit auf Online-Plattformen Verantwortlichen ihre “Abwehr” ständig verbessern, doch dieses Experiment hat gezeigt, wie sehr sowohl die Reisenden selbst als auch wir in der Branche die Sicherheit berücksichtigen müssen.
Quelle: Welches?