Simon Požek und Visit Mundus: Von der sportlichen Ordnung zu einem Betriebssystem, das darauf abzielt, den Tourismus neu zu gestalten
Der Tourismus stützte sich jahrelang auf Improvisation, Kontakte und persönliche Treffen. Doch immer mehr Akteure der Branche sind der Ansicht, dass ein solches Modell zunehmend untragbar wird – sowohl in finanzieller und betrieblicher Hinsicht als auch unter Umweltgesichtspunkten. Genau aus dieser Diskrepanz heraus entstand das Konzept, das Simon Požek, Gründer der Plattformen Prospectiva und Visit Mundus, entwickelt hat.
Požeks beruflicher Werdegang hat seinen Ursprung nicht im Tourismus, sondern im Sport. Er war mehr als zwei Jahrzehnte lang als professioneller Sprint-Kajakfahrer tätig und vertrat dabei Slowenien, Kroatien und Spanien. Dort entwickelte er eine Denkweise, die er nun in die Geschäftswelt einbringt – mit Fokus auf Struktur, Disziplin und messbare Ergebnisse.
Nach 25 Jahren als Unternehmer und 15 Jahren Tätigkeit im digitalen Umfeld erkannte er durch seine Arbeit in verschiedenen Märkten allmählich ein Muster: Erfolg ist kein Zufall, sondern das Ergebnis eines klar definierten Systems. Die Tourismusbranche hingegen arbeitet oft ohne solche Grundlagen.
Strukturelles Problem der Branche: Die Sichtbarkeit hängt von Messen ab.

Durch seine jahrelange Teilnahme an B2B-Veranstaltungen und Tourismusmessen erkannte Požek ein zentrales Problem: Sichtbarkeit und Marktzugang sind ungleich verteilt.
Ein großer Teil der Tourismusunternehmen bleibt im Hintergrund, da ihnen die Ressourcen für die Teilnahme an Messen fehlen. Gleichzeitig sind auf denselben Veranstaltungen immer wieder dieselben Anbieter vertreten, während innovative und hochwertige Produkte oft unentdeckt bleiben. Für Reisebüros bedeutet dies Schwierigkeiten bei der Suche nach geprüften Partnern, und für Reiseziele fehlt eine kontinuierliche digitale Präsenz. Ein solches Modell verursacht hohe Kosten und bringt oft nur sehr begrenzte Erträge.
Prospectiva als Grundlage: Von der Intuition zur Messbarkeit
Der erste Schritt zur Lösung dieses Problems war Prospectiva – eine Plattform, die Struktur in die oft intuitiv gesteuerten Prozesse im Tourismus bringt. Das Konzept basiert auf einigen einfachen Grundsätzen: Transparenz, Messbarkeit und operative Effizienz. Anstelle von Annahmen stehen Daten und klare Prozesse im Mittelpunkt, mit dem Ziel, Kosten zu senken und die Entscheidungsfindung transparenter zu gestalten.
Ein solcher Ansatz hat auch über die Branche hinaus Anerkennung gefunden – das Projekt wurde von der Slowenischen Handelskammer mit drei Innovationspreisen in Folge ausgezeichnet.
Besuchen Sie Mundus: Infrastruktur statt einer weiteren Plattform
Es wurde auf der Grundlage von „Prospective“ entwickelt. Besuchen Sie Mundus, ein Projekt, das Požek nicht als bloße B2B-Plattform, sondern als Betriebssystem für den Tourismus positioniert.

Im Gegensatz zu herkömmlichen Marktplätzen oder Medien vereint Visit Mundus mehrere Funktionen in einer einzigen Infrastruktur: eine Datenbank mit geprüften Anbietern, eine permanente digitale Messe, einen Kanal für Inhalte und Vertrieb sowie ein Tool, das Agenturen und Partner das ganze Jahr über miteinander vernetzt. Der entscheidende Unterschied liegt in der Kontinuität. Anstelle von nur wenigen Tagen mit Präsenzveranstaltungen bietet das System eine kontinuierliche Präsenz, strukturierte Profile, digitale Fam-Trips und eine messbare Reichweite.
Vorteile für die Industrie: geringere Kosten, höhere Verfügbarkeit
Für verschiedene Branchensegmente ergeben sich konkrete Auswirkungen. Hotels gewinnen an Sichtbarkeit, ohne physisch präsent sein zu müssen. DMCs erreichen verifizierte Partner mit weniger Zwischenhändlern. Agenturen erhalten strukturierte und verifizierte Informationen, die die Entscheidungsfindung beschleunigen. Destination-Management-Organisationen verfügen erstmals über eine durchgängige digitale Infrastruktur für die weltweite Vermarktung ihrer Partner.
Vor dem Hintergrund steigender Kosten, Arbeitskräftemangels und des Drucks in Sachen Nachhaltigkeit gewinnt ein solches Modell zunehmend an Bedeutung.
Frühindikatoren: Vom Projekt zur Infrastruktur
In den ersten beiden Entwicklungsjahren brachte Visit Mundus mehr als 200 Partner aus 15 Ländern zusammen und generierte Hunderte von redaktionellen Veröffentlichungen sowie eine beträchtliche organische Reichweite. Besonders bemerkenswert ist der hohe Anteil an organischem und KI-generiertem Traffic, was auf eine gute Indexierung und die Relevanz der Inhalte hindeutet. Diese Kennzahlen deuten darauf hin, dass das Projekt die Experimentierphase hinter sich lässt und nun als operatives Netzwerk zu funktionieren beginnt.

Nächste Phase: ein weltweit einsetzbares System für den Tourismus
Die Pläne für die kommende Zeit sind eindeutig auf Expansion ausgerichtet. Der Schwerpunkt liegt auf der Erschließung neuer Märkte und der Entwicklung spezialisierter Segmente wie Nautiktourismus, Wellness, Luxustourismus und MICE-Tourismus.
Gleichzeitig ist es das Ziel, das weltweit größte Netzwerk verifizierter Tourismusanbieter aufzubauen und regionale sowie thematische Knotenpunkte zu entwickeln, die eine gezieltere Vernetzung innerhalb der Branche ermöglichen sollen.
Sollte sich dieses Modell in größerem Maßstab als nachhaltig erweisen, könnte es die Funktionsweise des Tourismus im B2B-Segment neu definieren – mit den Schwerpunkten Kontinuität, Daten und Verfügbarkeit.
Der Tourismus ist seit jeher eine Branche, in der Beziehungen und Veranstaltungen eine zentrale Rolle spielen. Es gibt zunehmend Anzeichen dafür, dass er in eine Phase eintritt, in der Infrastruktur und Betriebssysteme eine ebenso wichtige, wenn nicht sogar größere Rolle spielen werden. In diesem Zusammenhang stellt die Zusammenarbeit mit dem Tragento-Portal einen wichtigen Schritt nach vorne dar – als Medien- und Content-Ebene, die die Sichtbarkeit, die Weiterbildung und die Verbreitung von Informationen für Tourismusfachleute weiter strukturiert. Genau solche Partnerschaftsmodelle können die Entwicklung des Betriebssystems beschleunigen, das der Branche lange gefehlt hat.