
Zölle treffen die Automobilindustrie und damit auch die Autovermietungsbranche: höhere Preise und Druck auf den Markt.
Die Automobilindustrie in den USA und weltweit steht vor einer turbulenten Phase. Die von Washington eingeführten neuen Zölle haben bereits erhebliche Auswirkungen auf Hersteller, Händler und Endverbraucher. Laut Cox Automotive beliefen sich die durch die Zölle verursachten Kosten allein in den ersten sieben Monaten des Jahres 2025 auf mehr als Fünfundzwanzig Milliarden Dollar, was „Durchschnitt“ bedeutet 2.500 Dollar an zusätzlichen Kosten pro Fahrzeug.
Globale Kette unter Druck
Die Automobilindustrie ist eine der am stärksten globalisierten Branchen – fast die Hälfte der in den USA verkauften Fahrzeuge wird außerhalb des Landes hergestellt. Das bedeutet, dass sich jede Änderung der Zollsätze unmittelbar auf die Geschäftsmodelle und die Rentabilität auswirkt.
- Ab April 2025 wurde der ursprüngliche Satz von 25% gesenkt auf 10–15% für das Vereinigte Königreich, die EU, Japan und Südkorea.
- Fahrzeuge aus Kanada und Mexiko müssen jedoch weiterhin den vollen Zollsatz von 25% entrichten, was das zuvor vorteilhafte Modell „Herstellung in Mexiko“ vollständig zunichte gemacht hat.
- Selbst die heimische Produktion bleibt davon nicht verschont – Stahl, Aluminium, Kupfer und Batteriematerialien werden immer teurer.
Wie viel kostet das die Hersteller?
Die Daten aus den Quartalsberichten lassen einen enormen Druck erkennen:
- General MotorsIm zweiten Quartal fielen Mehrkosten in Höhe von 1,1 Milliarden Dollar an, und bis zum Jahresende rechnen sie mit einer Belastung von 4 bis 5 Milliarden Dollar.
- Ford800 Millionen im zweiten Quartal, mit einer Prognose von fast 3 Milliarden bis Ende 2025.
- Toyota, Nissan, Hyundai Auch bei den europäischen Herstellern sind ähnliche Trends zu beobachten.
Am stärksten betroffen sind die Segmente der Kompakt- und Klein-SUVs, bei denen der Zollsatz im Durchschnitt 2.800–3.000 Dollar pro Einheit.
Sixt verzeichnet trotz eines instabilen Marktes einen Rekordumsatz
Während die Automobilhersteller unter den Zöllen leiden, sieht die Lage in der Autovermietungsbranche etwas anders aus. Sixt Deutschland, einer der größten Autovermietungsriesen Europas, hat für das zweite Quartal Rekordergebnisse bekannt gegeben: einen Umsatz von fast 1,1 Milliarden Euro, was einem Anstieg von 7,41 TP3T gegenüber dem Vorjahr entspricht.
Den stärksten Anstieg verzeichnete Europa außerhalb Deutschlands (+13,71 %), während der Umsatz in Nordamerika um 4,81 % stieg, auf 334,6 Millionen Euro. Sixt hat zudem die durchschnittliche Flottengröße auf 197.800 Fahrzeuge, mit einem hohen Anteil an Premium-Modellen (54%). Der Nettogewinn stieg sprunghaft auf 78,4 Millionen Euro, gegenüber 48,3 Millionen im Vorjahr.
Diese Ergebnisse zeigen, dass die Nachfrage nach Kurzzeitmieten trotz eines volatilen Marktes und teurerer Fahrzeuge weiterhin stark ist. Für die Tourismusbranche bedeutet dies, dass das Mietwagensegment auch künftig eine wichtige Säule des Passagiererlebnisses bleiben wird, während das Premiumsegment einen immer größeren Anteil am Angebot einnehmen wird.
Fazit: Teure Autos, teurere Fahrt
Zölle verändern bereits jetzt die globale Automobillandschaft – und wirken sich damit indirekt auch auf die Tourismusbranche aus. Autovermietungen, Flottenkäufer und Reiseveranstalter, die „Fly-and-Drive“-Pakete anbieten, müssen steigende Fahrzeugpreise und eine geringere Verfügbarkeit bestimmter Modelle einkalkulieren. Die Ergebnisse von Sixt zeigen jedoch, dass die Nachfrage nach Mobilität nicht nachlässt – im Gegenteil: Reisende sind bereit, für Flexibilität und Qualität mehr zu bezahlen. Langfristig verlagert sich der Markt in Richtung des Premium-Segments, während es für den Durchschnittsverbraucher zunehmend schwieriger werden wird, ein Neufahrzeug zu erwerben.